Der Markt für E-Bikes explodiert

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Der Siegeszug des E-Bikes ist unaufhaltsam. Hersteller wie Flyer profitieren davon. Bild: pd-f/www.flyer-bikes.com)

Einen großen Anteil an der wachsenden Popularität des Fahrrads hat heute das Elektrorad. Im Laufe der letzten Jahre haben E‑Bikes ihr Reha-Image fast gänzlich abgestreift und sich zu einem festen Bestandteil individualmobiler Lösungen gemausert. Der Spaß am Elektrorad setzt sich über die Generationen hinweg durch und inzwischen wird quasi jede Radgattung elektrifiziert. Darauf weist der Pressedienst Fahrrad (pd-f) hin.

Neue Marktteilnehmer aus Industrie- und Kommunikationssektoren fanden sich ein und beinahe jeder Radhersteller hat inzwischen Räder mit Elektroantrieb im Programm, nicht wenige konzentrieren sich sogar ausschließlich darauf. Die Verkaufszahlen für Pedelecs explodierten förmlich – nach Berechnungen des Zweirad-Industrie-Verbands e. V. (ZIV) fuhren zum Jahresbeginn 2020 fast fünfeinhalb Millionen Elektroräder durch Deutschland. Davon rollten allein 2019 über 1,3 Millionen Stück aus den Shops – 2005 waren es noch 20.000.

Dass ausgerechnet ein Radtyp das Umdenken befeuert, der am Prinzip der Fortbewegung durch pure Muskelkraft gehörig modelliert, zeigt deutlich, wie die Fahrradwelt Konventionen über Bord geworfen und Vorurteile überwunden hat. Das E-Bike (Definition siehe weiter unten) füllt eine Lücke im Moment ihres Entstehens. Zur rechten Zeit am rechten Ort, gibt es Antworten auf drängende Fragen der Zeit, wie vom Verkehr verstopfte Städte, Umweltverschmutzung und steigenden Energiebedarf. Als ideales Verkehrsmittel rundet es die Individualmobilität hinsichtlich Reichweite, Transportvolumen und Geschwindigkeit ab.

So ist das E‑Bike ein Lösungsmodell für alle, die Rad fahren wollen: Für den Transport auf täglichen Wegen, um frisch im Büro anzukommen und sich trotzdem bewegt zu haben, um mal etwas weiter oder schneller zu fahren, ohne dass großer Trainingsaufwand nötig wäre. Geeignet ist das E-Bike aber auch für solche, die ganz definiert trainieren wollen – und schließlich auch für die lustvolle (Wieder-)Gewinnung ganz individueller Freiheit.

Im Jahr 1992 gab es weltweit genau drei Elektroräder aus Serienproduktion. 2014 zählte der testende Verein Extra Energy ganze 1.500 verschiedene E‑Bike-Modelle allein aus deutscher Produktion; der Händlerverband VSF ermittelte für 2018 einen Durchschnittspreis von 3.372 Euro. Weitere Zahlen, Daten und Fakten zum Markt der E-Bikes, der gegenwärtig förmlich explodiert, hat der pd-f recherchiert.

Elektromobilität in Deutschland in Zahlen

5.400.000: Anzahl aller E‑Bikes auf deutschen Straßen Ende 2019 (Quelle: ZIV)

1.360.000: Anzahl der 2019 in Deutschland verkauften E‑Bikes (+39 % ggü. 2018) (ZIV)

36.040: Anzahl der 2018 in Deutschland neu zugelassenen E‑Autos, ohne Hybride (2016: 11.400) (Center of Automotive Management)

39.200: Anzahl der 2018 in Deutschland verkauften E-Lastenräder (+161 % ggü. 2017 (ZIV)

7.407: Anzahl der E‑Bike-Ladestationen in Deutschland Ende 2017 (Bosch)

4.575: Durchschnittspreis eines S‑Pedelecs 2019 beim VSF, in Euro (Verbund Service und Fahrrad/VSF)

3.191: Durchschnittspreis eines E‑Bikes (Pedelec 25) 2019 beim VSF, in Euro (VSF)

3.108: Durchschnittspreis eines E‑Mountainbikes 2015, in Euro (Q: Leserumfrage Mountainbike-Magazin)

99,5: Anteil der Pedelecs unter den Elektrofahrrädern 2018, in Prozent (ZIV)

86: Anteil der Deutschen, die 2015 noch nie ein E‑Bike gefahren haben, in Prozent (Fahrradmonitor 2015)

46,7: Anteil der Deutschen, die 2018 noch nie ein E‑Bike gefahren haben, in Prozent (Bitkom)

40: Anteil der E‑Bike-Fahrten mit beruflichem Zweck, in Prozent (ElektroBike)

30: Umsatzsteigerung im Sektor E‑Bike von 2018 auf 2019, in Prozent (Verband des Deutschen Zweiradhandels/VDZ)

23,4: Anteil des E‑Bikes am Markt in Deutschland 2018, in Stück/Prozent (2017: 19 %) (ZIV)

5,4: durchschnittlicher CO2-Ausstoß eines E‑Bikes in Gramm pro Kilometer (ÖPNV: 53, Auto 124; Bosch)

4,85: Anteil der S‑Pedelecs unter den beim VSF 2018 verkauften E‑Bikes, in Prozent (VSF)

3: Faktor, um den das E‑Bike den Pendelradius ggü. dem Fahrrad erhöht (ElektroBike)

0,5: Anteil der S‑Pedelecs unter den E‑Bikes in Deutschland 2018, in Prozent (ZIV)

Die drei Arten von E-Bikes

A: Pedelec
Wenn man heute von E‑Bikes spricht, sind in aller Regel Pedelecs gemeint, denn mehr als 99 Prozent aller Elektroräder funktionieren nach diesem Prinzip. Der Begriff setzt sich zusammen aus pedal, electric und cycle und verdeutlicht: Der Motor arbeitet nur, wenn man selbst auch kurbelt. Ein Sensor im Antrieb misst die Kraft, mit der man tritt, und unterstützt je nach Hersteller, Einstellung und ausgewähltem Modus mit 25 Prozent bis 200 Prozent dieser Kraft. Pedelec-Piloten sind also Radfahrer mit einer Extraportion Rückenwind – das „typische Pedelec-Lächeln“ trägt entscheidend zur Popularität der Gattung bei. Das Pedelec unterstützt bis 25 km/h, viele Modelle bieten auf Knopfdruck eine Schiebehilfe in Schrittgeschwindigkeit. Pedelecs gelten rechtlich als Fahrräder: keine Helmpflicht, kein Führerschein, keine Altersgrenze.

B: S‑Pedelec
Sie funktionieren wie Pedelecs, unterstützen aber bis maximal 45 km/h. Obwohl man sich dafür schon richtig ins Zeug legen muss, macht das die von außen betrachtet gewöhnlichen Fahrräder im Verkehrsrecht zu Kleinkrafträdern. Somit brauchen sie die Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie ein Versicherungskennzeichen. Für Fahrer heißt das: Führerschein der Klasse AM (im Autoführerschein enthalten), Altersgrenze 16 Jahre und Helmpflicht – wobei sich das Gesetz seit Jahren nicht eindeutig dazu äußert, welcher Helm der richtige ist. Vielen Fachleuten zufolge ist der Radhelm passend, zudem zeichnet sich die Entstehung einer eigenen Helmgattung zwischen Rad- und Motorradhelm ab. S‑Pedelecs machen nur ein Prozent der E‑Bikes aus, was hauptsächlich darin begründet liegt, dass die Radwegnutzung verboten ist. Anbauteile dürfen am S‑Pedelec nicht wie beim Fahrrad einfach verändert werden.

C: E‑Bike
Gern als Oberbegriff für alle Fahrräder mit Elektroantrieb verwendet, bezeichnet der Begriff „E‑Bike“ im engeren Sinne ein Fahrrad, dessen Motor mit einem „Gasgriff“ bedient wird. Es funktioniert also unabhängig vom Pedalieren. Je nach Leistungsabgabe und Geschwindigkeit sind E‑Bikes versicherungspflichtig (Mofa-Kennzeichen) und der Fahrer benötigt einen Mofa-Führerschein (AM-Füherschein, im Autoführerschein enthalten), eine Helmpflicht gibt es jedoch nicht. Vom Markt ist das E‑Bike weitestgehend verschwunden; zu finden sind solche Räder am ehesten in der Billig-Abteilung oder der für besondere Verwendungszwecke.

https://www.vsf.de/

https://www.ziv-zweirad.de/

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