BMW Days 2021: Pfiat di Garmisch, hallo Berlin

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Der Hersteller polarisiert seine Fans: Die Days verlassen 2021 Garmisch und ziehen um nach Berlin. Foto: Stephan Maderner

Nach insgesamt 18 Auflagen der BMW Motorrad Days in Folge in Garmisch-Partenkirchen soll das weltweit größte Treffen des deutschen Motorradherstellers 2021 in Berlin stattfinden. Und damit „im Herzen Europas und gleichzeitig dort, wo seit mehr als 50 Jahren BMW Motorräder gebaut werden und Motorrad-Zukunft gestaltet wird“, wie in der offiziellen Meldung verlautet. Damit will BMW Motorrad nach eigenen Angaben „neue Wege mit der Traditionsveranstaltung“ einschlagen. Seinen Anfang nahm das Event 2001 als BMW Motorrad Biker-Meeting im österreichischen Seefeld.

BMW Motorrad Days goes Berlin

Die Entscheidung „BMW Motorrad Days goes Berlin“ sei mit dem Ziel getroffen worden, für die Zukunft neue Wege der Markenentwicklung einzuschlagen, neue Konzepte zu entwickeln und den BMW Motorrad Days auf diese Weise weitere starke Impulse zu geben. Gleichzeitig stelle die deutsche Hauptstadt eine ideale Plattform für moderne urbane Mobilitätskonzepte auch auf zwei Rädern dar.

Weitere Begründungen für den Standortwechsel kommen von Dr. Markus Schramm, Leiter BMW Motorrad: „Der Standort Berlin ist aus unserer Sicht für die BMW Motorrad Days 2021 wie geschaffen. Als internationale Metropole mit reichhaltigem kulturellen Angebot, einer Vielzahl an Ausfahrtmöglichkeiten im Umland und einzigartigem Lifestyle bietet die Hauptstadt Deutschlands sämtliche Möglichkeiten, um die BMW Motorrad Days im kommenden Jahr noch vielfältiger und damit attraktiver zu gestalten.“

Mini-Shitstorm im Netz

Die Meldung hat in den sozialen Netzwerken, auf denen sich traditionell auch viele Motorradfahrer tummeln, die Fans der Marke BMW ziemlich polarisiert. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen überwogen fast nur kritische Stimmen. In kürzester Zeit entfachte die verbale Empörung auf der Facebook-Seite von BMW Motorrad so etwas wie einen weiß-blauen Mini-Shitstorm.

BMW = Berliner Motoren Werke

Mister Motorrad fokussiert an dieser Stelle eher die klugen und differenzierteren Meinungsäußerungen. Selektiert wurden Statements, die nach allgemeiner Facebook-Manier nicht so sehr unter die Gürtellinie gehen: „Das wäre, wie wenn man die Daytona Bike Week nach Washington verlegen würde“, schrieb dort einer oder „Never change a running system“. Ein anderer merkte ironisch an: „Der Prenzlauer Berg, der Spandauer Gletscher und das Friedrichshainer Joch seien ja prädestiniert für GS-Fahrer.“ Eine Kommentatorin verschaffte sich mit folgenden Worten Luft: „Motorrad Budget Days 1.0. Vielfältiger? Lächerlich! Das Event gehört dahin, wo sich die meisten eurer Kunden zuhause fühlen, in die Berge. Oder steht BMW jetzt für ,Berliner Motoren Werke‘?“

Argumente für den Standortwechsel

Doch werden durchaus auch gute Argumente für einen Standortwechsel geliefert: „Warum denn nicht auch mal dieses Event an der Geburtsstätte des BMW-Boxermotors feiern? Seit über 50 Jahren Jahren steht das BMW Stammwerk in Berlin – über drei Millionen BMW-Motorräder rollten dort vom! Ich finde es eine außerordentlich gute Standort-Wahl!“ Oder: „Sehr gute Entscheidung, BMW! So können wir Norddeutschen auch mal locker am Event teilnehmen, ohne weit fahren zu müssen. Freu mich auf nächstes Jahr. Ach ja, für alle die meinen, dass man nur in Bayern Motorrad fahren kann: So wunderschön wie bei euch die Bergstraßen sind bei uns die Küstenstraßen. Kommt hoch zu uns und findet es heraus.“

Der Termin für die Berliner BMW Days steht noch nicht fest. Fest steht allerdings, dass das BMW Werk in Spandau selbst eine interessante Event-Location darstellt. Was aber offiziell noch nicht bestätigt ist. Zudem bietet das Spandauer Umfeld interessante Standorte für Großfestivals wie zum Beispiel die Zitadelle. Und die vor den Toren der Stadt sich ausbreitende Märkische Heide bietet durchaus fantastische Offroad-Reviere in unmittelbarer Nähe.

Der Eingang zum BMW Werk in Berlin-Spandau.

Nochmal zurück zu den weiß-blauen Berlin-Skeptikern: „Motorradtreffen in der kraftfahrzeugfeindlichsten Stadt Deutschlands? Für mich ein absolutes no go“, meckerte ein Facebook-Nutzer. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sieht das naturgemäß anders. In der offiziellen BMW-Mitteilung wird er folgendermaßen zitiert: „In Zeiten, in denen Fragen rund um Mobilität und Verkehr eine immer bedeutendere Rolle für die Zukunft der Städte spielen, kann Berlin bei der Neuausrichtung der Veranstaltung neue und wichtige Impulse setzen.“

Denn sie wissen, was sie tun

Fazit: Gegen die Welle, welche die Nachricht vom Wechsel der BMW Days von Garmisch nach Berlin in der Motorradszene ausgelöst hat, wirkt die zweite Corona-Welle wie ein Stürmchen im Wasserglas. Aus Marketingsicht hat BMW Motorrad alles richtig gemacht. Der mediale Traffic ist enorm; fast jeder Biker diskutiert diese Entscheidung, mit mal mehr, mal weniger Emotion.

Mutig ist der Tapetenwechsel allemal. Der Hersteller geht Risiko, ein gut funktionierendes und von der Marken-Community angenommenes Event von seiner Stammlocation in ein (noch) unbekanntes Terrain zu verpflanzen. Motorradfahrern aus dem Norden Deutschlands oder aus Großbritannien und Skandinavien, denen der Weg in den Süden bisher zu weit erschien, frohlocken. Südländer müssen jetzt halt auch mal in den hohen Norden, den Weißwurst-Äquator überqueren. Und der junge BER freut sich sicherlich auf jede Menge einfliegender BMW-Fans aus aller Welt.

Jetzt liegt es an den Machern der weiß-blauen Bikeshow, die neuen Möglichkeiten und das kreative Potenzial, welches der Großraum Berlin bietet, auszunutzen. Oder, um es mit den Worten eines BMW-Sprechers wiederzugeben: „Das wird ein richtig geiles Event.“ Bis zum Beweis des Gegenteils gilt die Unschuldsvermutung: Denn sie wissen wohl, was sie tun. Gebt dem Neuen eine Chance! Was haltet ihr von Berlin als neuen Standort der BMW Days – Daumen hoch oder runter? Was spricht aus Eurer Sicht für die deutsche Hauptstadt und was dagegen? Schreibt mir eure Meinung.

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